Wer seinen Dachdeckerbetrieb verkaufen möchte, stellt sich meist zuerst die Frage nach dem realistischen Unternehmenswert.
Umsatz und Gewinn sind dafür wichtig. Entscheidend ist für Käufer aber nicht nur, was der Betrieb heute verdient, sondern vor allem, wie gut sich diese Erträge nach einer Übergabe fortführen lassen.
Gerade bei Dachdeckerbetrieben sind die Auftragsbücher oft gut gefüllt. Käufer schauen jedoch genauer hin: Wie planbar ist diese Auslastung wirklich, wie hängt sie am Inhaber – und wie übertragbar sind Mannschaft, Kalkulation und Kundenbeziehungen?
Was ist ein Dachdeckerbetrieb typischerweise wert?
Kleinere Dachdeckerbetriebe bewegen sich häufig grob im Bereich von etwa 4- bis 5-mal EBITDA. Angesichts der starken Nachfrage und meist guten Auftragslage können bei größeren, gut strukturierten Betrieben mit Meistern, planbaren Aufträgen und einer zweiten Führungsebene auch höhere Multiples möglich sein.
Der EBITDA-Multiple ist jedoch nur ein erster Orientierungswert. Ob ein Dachdeckerbetrieb eher am unteren oder oberen Ende der Bandbreite liegt, hängt stark von der konkreten Unternehmensstruktur ab. Die Grundlagen dazu erklären wir in
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Unternehmenswert berechnen.
Ein Betrieb mit planbarer Auftragslage, stabilem Fachpersonal und sauberer Kalkulation wird anders bewertet als ein Unternehmen, das stark von einzelnen Großprojekten, wenigen Mitarbeitern oder dem Inhaber persönlich abhängt.
1. Auftragsstruktur: Volle Bücher sind nicht automatisch planbare Bücher
Ein zentraler Punkt beim Verkauf eines Dachdeckerbetriebs ist die Auftragsstruktur.
Käufer wollen verstehen, woher der Umsatz kommt:
- Stammt der Umsatz überwiegend aus einmaligen Sanierungs- und Neubauprojekten?
- Gibt es wiederkehrende Wartungs- und Reparaturaufträge?
- Wie stark hängt das Geschäft von Neubau und Konjunktur ab?
- Wie weit reicht die Auslastung in die Zukunft?
- Gibt es ein Notdienst- oder Reparaturgeschäft als stabiles Standbein?
Volle Auftragsbücher sind ein gutes Zeichen, aber nur die halbe Geschichte. Käufer fragen, wie planbar diese Auslastung über das aktuelle Jahr hinaus ist. Wiederkehrende Wartungs- und Reparaturaufträge sowie ein verlässliches Bestandskundengeschäft machen einen Betrieb deutlich attraktiver als reines Projektgeschäft.
2. Personalstruktur: Meister und Fachkräfte sind entscheidend
Im Dachdeckerhandwerk ist qualifiziertes Personal ein entscheidender Engpass. Erfahrene Gesellen, Vorarbeiter und vor allem Dachdeckermeister sind schwer zu finden und für Käufer entsprechend wertvoll.
Deshalb prüfen Käufer besonders genau:
- Wie viele Fachkräfte und Gesellen gibt es?
- Gibt es weitere Meister im Betrieb oder hängt der Meistertitel allein am Inhaber?
- Wie lange sind die Mitarbeiter im Betrieb?
- Gibt es Vorarbeiter mit Verantwortung für eigene Baustellen?
- Wie hoch sind Fluktuation und Krankenstand?
- Bleiben wichtige Mitarbeiter nach der Übergabe an Bord?
Ein stabiles Team, das Baustellen eigenständig und sicher abwickelt, kann den Wert deutlich erhöhen. Wenn dagegen alle technischen Entscheidungen, Kalkulationen und Kundenabsprachen über den Inhaber laufen, entsteht ein erhebliches Übergaberisiko.
3. Spezialisierung: Womit sich der Betrieb abhebt
Spezialisierungen können bei Dachdeckerbetrieben ein wichtiger Werttreiber sein, wenn sie zu planbaren und margenstarken Umsätzen führen.
Dazu zählen zum Beispiel:
- Steildach und Dachsanierung
- Flachdach und Abdichtung
- Bauklempnerei und Spenglerarbeiten
- Photovoltaik- und Solarmontage
- energetische Dachsanierung und Dämmung
- Denkmal- und Altbausanierung
Besonders die Montage von Photovoltaik und die energetische Sanierung sind zukunftsrelevant und machen einen Betrieb für strategische Käufer interessant. Entscheidend bleibt, dass diese Leistungen wirtschaftlich sauber kalkuliert sind und nicht allein vom Wissen einzelner Personen abhängen. Welche Stellschrauben den Wert zusätzlich erhöhen, zeigen wir in
Unternehmenswert steigern: 12 Hebel.
4. Kalkulation und Projektmargen: Käufer wollen nachvollziehbare Zahlen
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Kalkulation. In vielen Dachdeckerbetrieben steckt ein großer Teil des Wissens im Kopf des Inhabers: Er weiß, wie Angebote kalkuliert werden, welche Projekte sich lohnen und wo Nachträge möglich sind.
Für einen Käufer reicht dieses Bauchgefühl nicht aus. Käufer wollen nachvollziehen können:
- Wie werden Angebote kalkuliert?
- Welche Stundensätze werden angesetzt?
- Wie entwickeln sich Materialeinsatz und Einkaufspreise?
- Welche Projektmargen werden erzielt?
- Gibt es Nachkalkulationen?
Saubere Angebotskalkulationen, dokumentierte Nachkalkulationen und transparente Projektmargen erhöhen die Bewertbarkeit. Wenn die Zahlen nicht nachvollziehbar sind, wird der Käufer vorsichtiger – und das zeigt sich häufig im Kaufpreis.
5. Kundenstruktur: Breite Basis statt Abhängigkeit von wenigen Auftraggebern
Auch die Kundenstruktur ist für die Bewertung wichtig. Ein Betrieb mit vielen wiederkehrenden Privat- und Gewerbekunden wird anders bewertet als ein Unternehmen, das stark von wenigen Bauträgern oder Generalunternehmern abhängt.
Käufer prüfen daher:
- Wie breit ist der Kundenstamm?
- Wie hoch ist der Anteil wiederkehrender Bestandskunden?
- Gibt es Abhängigkeiten von wenigen Großkunden?
- Sind die Kundenbeziehungen auf den Betrieb oder auf den Inhaber ausgerichtet?
Eine breite Kundenbasis reduziert das Risiko. Fällt ein einzelner Großkunde weg, sollte der Betrieb nicht sofort in eine kritische Lage geraten.
6. Inhaberabhängigkeit: Der kritische Punkt – auch wegen des Meistertitels
Viele Dachdeckerbetriebe sind über Jahre stark auf den Inhaber ausgerichtet. Er hält die Kundenkontakte, kalkuliert die Angebote, entscheidet technische Fragen und koordiniert die Baustellen. Häufig ist er zugleich der einzige Meister im Betrieb.
Genau das ist für einen Verkauf ein Risiko. Käufer fragen sich:
- Was passiert, wenn der Inhaber nicht mehr verfügbar ist?
- Hängt die handwerksrechtliche Eintragung allein am Meistertitel des Inhabers?
- Wer übernimmt die technische Verantwortung?
- Wer hält die Kundenbeziehungen und kalkuliert neue Projekte?
- Gibt es eine zweite Führungsebene?
Je mehr Antworten der Betrieb selbst liefern kann – idealerweise mit einem weiteren Meister im Team – desto attraktiver wird er für Käufer. Je stärker alles am Inhaber hängt, desto schwieriger wird der Verkauf.
7. Was Käufer bei einem Dachdeckerbetrieb besonders attraktiv finden
Zusammenfassend suchen Käufer vor allem Dachdeckerbetriebe mit:
- planbarer Auftragslage und einem Sockel an Wartungs- und Reparaturaufträgen
- stabilem Fachpersonal und mindestens einem weiteren Meister
- erfahrenen Vorarbeitern mit Baustellenverantwortung
- einer zukunftsrelevanten Spezialisierung (z. B. Photovoltaik, energetische Sanierung)
- sauberer Angebots- und Nachkalkulation
- breiter Kundenstruktur
- geringer Abhängigkeit vom Inhaber
Je besser diese Punkte erfüllt sind, desto attraktiver wird der Betrieb – und desto größer die Chance auf einen guten Kaufpreis.
Fazit: Ein guter Verkauf wird vorbereitet
Wer seinen Dachdeckerbetrieb verkaufen möchte, sollte den Verkauf nicht erst dann vorbereiten, wenn der Ausstieg unmittelbar bevorsteht. Die wichtigsten Werthebel liegen häufig in den Jahren davor.
Wiederkehrende Wartungsumsätze sollten ausgebaut, ein zweiter Meister aufgebaut, Kalkulationen sauber dokumentiert und Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt werden. Und die Abhängigkeit vom Inhaber sollte Schritt für Schritt reduziert werden.
Denn Käufer zahlen nicht nur für den heutigen Gewinn. Sie zahlen für ein stabiles Team, planbare Aufträge, nachvollziehbare Kalkulationen und die Wahrscheinlichkeit, dass der Betrieb auch nach der Übergabe weiter funktioniert.
Wenn Sie erste Überlegungen haben, Ihren Dachdeckerbetrieb zu verkaufen, unterstützen wir Sie gerne dabei, den aktuellen Unternehmenswert einzuschätzen und frühzeitig die richtigen Werthebel vorzubereiten. Mehr zu unserem Fokus auf
Handwerksbetriebe finden Sie auf unserer Branchenseite.