Wer seinen Betrieb im Garten- und Landschaftsbau verkaufen möchte, stellt sich früher oder später eine zentrale Frage: Was ist mein Unternehmen eigentlich wert?
Umsatz und Gewinn sind dafür wichtig. Entscheidend ist für Käufer aber nicht nur, was der Betrieb heute erwirtschaftet, sondern vor allem, wie stabil und planbar diese Erträge nach einer Übergabe sind.
Gerade im GaLaBau ist nicht jeder Umsatz gleich viel wert. Ein langfristiger Pflegevertrag mit einer Wohnungsbaugesellschaft wird aus Käufersicht anders bewertet als eine einmalige Gartenneuanlage, die jedes Jahr neu akquiriert werden muss.
Was ist ein GaLaBau-Betrieb typischerweise wert?
Kleinere Betriebe im Garten- und Landschaftsbau bewegen sich häufig grob im Bereich von etwa 3- bis 5-mal EBITDA. Bei größeren, gut strukturierten Unternehmen mit hohem Anteil an Pflegeverträgen, modernem Fuhrpark und einer zweiten Führungsebene können auch höhere Multiples möglich sein.
Der EBITDA-Multiple ist jedoch nur ein erster Orientierungswert. Ob ein Betrieb eher am unteren oder oberen Ende der Bandbreite liegt, hängt stark von der konkreten Unternehmensstruktur ab. Die Grundlagen dazu erklären wir in
Unternehmensbewertung verstehen. Eine erste Einschätzung für Ihren Betrieb liefert unser kostenloser Rechner, mit dem Sie Ihren
Unternehmenswert berechnen.
Ein Betrieb mit planbaren Pflegeumsätzen, stabilem Personal und sauberer Kalkulation wird anders bewertet als ein Unternehmen, das stark von einzelnen Großprojekten, wenigen Mitarbeitern oder dem Inhaber persönlich abhängt.
1. Auftragsstruktur: Pflegeverträge schlagen Einzelprojekte
Ein zentraler Punkt beim Verkauf eines GaLaBau-Betriebs ist die Auftragsstruktur.
Käufer wollen verstehen, woher der Umsatz kommt:
- Stammt der Umsatz überwiegend aus einmaligen Neuanlagen und Bauprojekten?
- Gibt es langfristige Pflege- und Wartungsverträge?
- Wie hoch ist der Anteil wiederkehrender Umsätze?
- Wie planbar ist die Auslastung über das Jahr?
- Gibt es Rahmenverträge mit Kommunen, Hausverwaltungen oder Wohnungsbaugesellschaften?
Ein Betrieb, der jede Saison seine Auslastung komplett neu zusammensuchen muss, ist aus Käufersicht weniger planbar. Deutlich attraktiver wird ein Unternehmen mit einem soliden Sockel an Pflegeverträgen – sie sorgen für wiederkehrende Umsätze und eine berechenbare Auslastung.
Wiederkehrende Pflegeumsätze reduzieren das Risiko für Käufer und stabilisieren den Unternehmenswert spürbar.
2. Personalstruktur: Fachkräfte und Vorarbeiter als Werttreiber
Im Garten- und Landschaftsbau ist qualifiziertes Personal ein entscheidender Engpass. Erfahrene Landschaftsgärtner, ein eingespieltes Team und Vorarbeiter, die Baustellen eigenständig führen, sind schwer zu finden und für Käufer entsprechend wertvoll.
Deshalb prüfen Käufer besonders genau:
- Wie viele Fachkräfte und Gesellen gibt es?
- Wie lange sind die Mitarbeiter im Betrieb?
- Gibt es Vorarbeiter oder Bauleiter mit Verantwortung?
- Wie abhängig ist der Betrieb von einzelnen Schlüsselpersonen?
- Wie hoch sind Fluktuation und Krankenstand?
- Bleiben wichtige Mitarbeiter nach der Übergabe an Bord?
Ein stabiles Team, das Baustellen auch ohne den Inhaber sauber abwickelt, kann den Wert deutlich erhöhen. Wenn dagegen Einsatzplanung, Kalkulation und Kundenkontakt vollständig über den Inhaber laufen, entsteht ein erhebliches Übergaberisiko.
3. Saisonalität und Auslastung
Der Garten- und Landschaftsbau ist saisonal geprägt. Frühjahr und Sommer sind in der Regel stark, die Wintermonate schwächer. Käufer schauen deshalb genau auf die Auslastung über das gesamte Jahr.
Wertsteigernd wirkt, wer die Saisonalität abfedert – etwa durch Pflegeverträge, die ganzjährig Umsatz bringen, durch Winterdienst oder durch ein gut geplantes Auftragspolster. Je gleichmäßiger die Auslastung, desto planbarer die Erträge und desto attraktiver der Betrieb.
4. Fuhrpark und Maschinen: Substanz mit zwei Seiten
Der Garten- und Landschaftsbau ist vergleichsweise kapitalintensiv. Bagger, Radlader, Fahrzeuge, Anhänger und Geräte binden Kapital – und sind zugleich ein realer Substanzwert.
Käufer prüfen den Zustand des Fuhrparks genau: Wie alt sind die Maschinen? Wurde regelmäßig investiert, oder hat sich ein Investitionsstau aufgebaut? Ein moderner, gepflegter Maschinenpark wirkt wertsteigernd. Ein hoher Investitionsstau dagegen wird vom Kaufpreis abgezogen, weil der Käufer diese Investitionen nachholen muss.
5. Kundenstruktur: Breite Basis statt Klumpenrisiko
Auch die Kundenstruktur ist für die Bewertung wichtig. Ein Betrieb mit einer gesunden Mischung aus öffentlichen Auftraggebern, Hausverwaltungen, Gewerbe- und Privatkunden wird anders bewertet als ein Unternehmen, das stark von einem einzelnen Großkunden oder wenigen Ausschreibungen abhängt.
Käufer prüfen daher:
- Wie breit ist der Kundenstamm?
- Wie hoch ist der Anteil wiederkehrender Bestandskunden?
- Gibt es Abhängigkeiten von einzelnen Großkunden oder öffentlichen Auftraggebern?
- Sind die Kundenbeziehungen auf den Betrieb oder auf den Inhaber ausgerichtet?
Eine breite Kundenbasis reduziert das Risiko. Fällt ein einzelner Auftraggeber weg, sollte der Betrieb nicht sofort in eine wirtschaftlich kritische Lage geraten.
6. Inhaberabhängigkeit: Der kritische Punkt bei vielen Betrieben
Viele GaLaBau-Betriebe sind über Jahre stark auf den Inhaber ausgerichtet. Er kalkuliert die Angebote, hält die Kundenkontakte, plant die Einsätze, koordiniert die Baustellen und löst Probleme persönlich.
Das ist operativ gewachsen und verständlich. Für einen Verkauf ist es aber ein Risiko. Käufer fragen sich:
- Was passiert, wenn der Inhaber nicht mehr jeden Tag verfügbar ist?
- Wer hält die Kundenbeziehungen?
- Wer kalkuliert neue Aufträge?
- Wer steuert die Teams und Baustellen?
- Gibt es eine zweite Führungsebene?
Je mehr Antworten der Betrieb selbst liefern kann, desto attraktiver wird er für Käufer. Welche Stellschrauben den Wert gezielt erhöhen, zeigen wir in
Unternehmenswert steigern: 12 Hebel.
7. Was Käufer bei einem GaLaBau-Betrieb besonders attraktiv finden
Zusammenfassend suchen Käufer vor allem Betriebe mit:
- einem hohen Anteil an wiederkehrenden Pflegeverträgen
- stabilem Fachpersonal und erfahrenen Vorarbeitern
- gleichmäßiger Auslastung über das Jahr
- modernem, gepflegtem Fuhrpark ohne Investitionsstau
- breiter Kundenstruktur
- sauberer Kalkulation und nachvollziehbaren Margen
- geringer Abhängigkeit vom Inhaber
Je besser diese Punkte erfüllt sind, desto attraktiver wird der Betrieb – und desto größer die Chance auf einen guten Kaufpreis und eine faire Transaktionsstruktur.
Fazit: Ein guter Verkauf wird vorbereitet
Wer seinen GaLaBau-Betrieb verkaufen möchte, sollte den Verkauf nicht erst dann vorbereiten, wenn der Ausstieg unmittelbar bevorsteht. Die wichtigsten Werthebel liegen häufig in den Jahren davor.
Pflegeverträge sollten ausgebaut, der Fuhrpark in Schuss gehalten, Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt und Kalkulationen sauber dokumentiert werden. Und die Abhängigkeit vom Inhaber sollte Schritt für Schritt reduziert werden.
Denn Käufer zahlen nicht nur für den heutigen Gewinn. Sie zahlen für planbare Pflegeumsätze, ein stabiles Team, werthaltige Maschinen und die Wahrscheinlichkeit, dass der Betrieb auch nach der Übergabe weiter funktioniert.
Wenn Sie erste Überlegungen haben, Ihren GaLaBau-Betrieb zu verkaufen, unterstützen wir Sie gerne dabei, den aktuellen Unternehmenswert einzuschätzen und frühzeitig die richtigen Werthebel vorzubereiten. Mehr zu unserem Fokus auf
Handwerksbetriebe finden Sie auf unserer Branchenseite.