Wer seine Schreinerei verkaufen möchte – im Norden meist Tischlerei genannt – stellt sich meist zuerst die Frage nach dem realistischen Unternehmenswert.
Umsatz und Gewinn sind dafür wichtig. Entscheidend ist für Käufer aber nicht nur, was der Betrieb heute verdient, sondern vor allem, wie gut sich diese Erträge nach einer Übergabe fortführen lassen – und wie viel davon am Inhaber, an einzelnen Großkunden oder an einer einzelnen Spezialisierung hängt.
Das Tischler- und Schreinerhandwerk steht wirtschaftlich solide da, kämpft aber wie das gesamte Handwerk mit Fachkräftemangel und einer Nachfolgewelle: Viele Betriebe sind inhabergeführt und suchen einen Nachfolger. Das sorgt für ein wachsendes Angebot an Übernahmekandidaten – und macht den Unterschied zwischen einem gut vorbereiteten und einem unvorbereiteten Verkauf umso größer.
Was ist eine Schreinerei typischerweise wert?
Kleinere Schreinereien bewegen sich häufig grob im Bereich von etwa 3,8- bis 5-mal EBITDA. Diese Spanne entspricht dem aktuellen Orientierungswert für kleine Handwerksbetriebe (Micro-Cap, unter 5 Mio. Euro Umsatz). Größere, gut strukturierte oder spezialisierte Betriebe können darüber liegen.
Der EBITDA-Multiple ist dabei immer nur ein erster Orientierungswert. Die Grundlagen erklären wir in
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Wichtig: Bewertet wird in erster Linie die Ertragskraft, nicht der Maschinenpark. Der Substanzwert – also Maschinen, Werkzeuge und Lager – bildet meist nur die Untergrenze. Entscheidend ist die Frage, die sich jeder Käufer stellt: Lässt sich mit diesem Betrieb auch morgen noch verlässlich Geld verdienen?
1. Spezialisierung & Geschäftsmodell: Wo die Wertschöpfung liegt
Schreinerei ist nicht gleich Schreinerei. Das Geschäftsmodell entscheidet stark über den Wert.
Käufer schauen genau hin, worin der Betrieb seine Stärke hat:
- Möbel- und Einzelmöbelbau auf Maß
- Innenausbau für Privat- und Gewerbekunden
- Laden- und Objektausbau (Geschäfte, Hotels, Praxen, Büros)
- Fenster, Türen und Bauelemente
- Küchen und Einbaumöbel
- Restaurierung und Denkmalpflege
Hochwertige Nischen wie Innenausbau, Laden- und Objektbau oder Restaurierung erzielen in der Regel bessere Margen und sind weniger austauschbar als einfache Standardarbeiten. Ein klar positionierter Betrieb mit Referenzen in einem attraktiven Segment ist für Käufer wertvoller als ein Betrieb, der alles ein bisschen macht. Welche Stellschrauben den Wert zusätzlich erhöhen, zeigen wir in
Unternehmenswert steigern: 12 Hebel.
2. Auftragsstruktur: Planbare Umsätze schlagen reines Projektgeschäft
Ein zentraler Punkt ist, wie planbar die Umsätze sind. Reines Projektgeschäft – Auftrag für Auftrag – ist schwerer kalkulierbar als wiederkehrende Umsätze.
Käufer wollen verstehen, woher der Umsatz kommt:
- Wie gut ist das Auftragsbuch für die nächsten Monate gefüllt?
- Wie verteilt sich der Umsatz auf Privat-, Gewerbe- und Objektkunden?
- Gibt es Rahmenverträge oder feste Kooperationen mit Architekten, Bauträgern, Generalunternehmern oder Hausverwaltungen?
- Gibt es wiederkehrende Aufträge, Service- oder Wartungsanteile (z. B. Türen, Beschläge, Objektbetreuung)?
- Wie stark hängt der Betrieb am Neubau und damit an der Baukonjunktur?
Ein Betrieb mit stabilem Auftragsbestand und festen Auftraggebern gibt Käufern Planungssicherheit und stützt den Kaufpreis. Wer dagegen jedes Jahr aufs Neue jeden Auftrag einzeln gewinnen muss, wird vorsichtiger bewertet.
3. Maschinenpark & Digitalisierung: CNC, Substanz und Investitionsstau
Die Schreinerei ist ein maschinenintensives Handwerk. Der Zustand der Ausstattung wirkt sich direkt auf die Bewertung aus.
Käufer prüfen:
- Wie modern ist der Maschinenpark (CNC-Bearbeitungszentren, Plattenaufteilsäge, Kantenanleimmaschine, Absauganlage)?
- Wird mit CAD/CAM und digitaler Arbeitsvorbereitung gearbeitet?
- Wie hoch ist der Investitionsstau, und welche Ersatzinvestitionen stehen an?
- Sind die Maschinen Eigentum oder geleast, und wie sehen die Konditionen aus?
- Wie ist es um Werkstatt, Lager und gegebenenfalls die Immobilie bestellt?
Ein gepflegter, moderner Maschinenpark senkt das Investitionsrisiko für den Käufer und kann den Wert stützen. Ein hoher Investitionsstau wird dagegen vom Kaufpreis abgezogen – die nötigen Ersatzinvestitionen werden eingerechnet.
4. Personal & Meister: Fachkräfte als Engpass – und die Konzessionsfrage
Gute Leute sind im Schreinerhandwerk knapp und für Käufer entsprechend wertvoll – oft wertvoller als die Maschinen. Erfahrene Gesellen, Arbeitsvorbereiter und Monteure, die Aufträge eigenständig abwickeln, sind ein echter Werttreiber.
Eine Besonderheit: Das Tischler-/Schreinerhandwerk ist zulassungspflichtig. Die Eintragung in die Handwerksrolle hängt an einem Meister. Ist der Inhaber der einzige eingetragene Meister, fehlt nach seinem Ausscheiden der Konzessionsträger – ein erhebliches Risiko für den Verkauf.
Käufer prüfen deshalb:
- Wie viele Fachkräfte gibt es, und wie lange sind sie schon im Betrieb?
- Gibt es einen weiteren Meister im Team oder hängt die Eintragung allein am Inhaber?
- Wer kann Aufträge eigenständig kalkulieren, planen und abwickeln?
- Wie hoch sind Fluktuation, Krankenstand und Altersstruktur?
- Bleiben Schlüsselkräfte nach der Übergabe an Bord?
Ein stabiles Team mit mindestens einem weiteren Meister senkt das Übergaberisiko deutlich und wirkt klar wertsteigernd.
5. Kalkulation & Margen: Nachvollziehbare Zahlen statt Bauchgefühl
In vielen Schreinereien steckt das Kalkulationswissen im Kopf des Inhabers: Er weiß aus Erfahrung, was ein Auftrag kosten darf und wo Spielraum ist. Für einen Käufer reicht dieses Bauchgefühl nicht aus.
Käufer wollen nachvollziehen können:
- Wie werden Angebote kalkuliert, und welcher Stundenverrechnungssatz wird angesetzt?
- Wie entwickeln sich Materialeinsatz und Einkaufspreise (Holz, Platten, Beschläge)?
- Welche Margen werden in welchen Leistungsbereichen erzielt?
- Gibt es Nachkalkulationen, die zeigen, ob sich Aufträge wirklich gelohnt haben?
- Laufen private Kosten über den Betrieb, die den ausgewiesenen Gewinn verzerren?
Saubere, nachvollziehbare Kalkulationen und ein um private Posten bereinigtes Ergebnis erhöhen die Bewertbarkeit. Ein häufig 20 bis 50 Prozent höheres bereinigtes EBITDA gegenüber dem buchhalterischen Gewinn ist im Handwerk keine Seltenheit – und es hebt den Unternehmenswert entsprechend.
6. Kundenstruktur: Breite Basis statt Abhängigkeit
Auch die Kundenstruktur ist für die Bewertung wichtig. Ein Betrieb mit einer gesunden Mischung aus vielen Kunden wird anders bewertet als einer, der von zwei oder drei Großkunden lebt.
Käufer prüfen:
- Wie breit ist der Kundenstamm?
- Wie hoch ist der Umsatzanteil der größten Kunden?
- Bestehen Abhängigkeiten von einzelnen Generalunternehmern oder Bauträgern?
- Sind die Kundenbeziehungen auf den Betrieb oder auf den Inhaber persönlich ausgerichtet?
Eine breite Kundenbasis reduziert das Risiko. Fällt ein einzelner Großkunde weg, sollte der Betrieb nicht sofort in eine kritische Lage geraten. Übrigens ist auch der eingeführte Betriebsname oft ein Wert an sich – Käufer führen ihn meist weiter, um die Kundenbindung zu erhalten.
7. Inhaberabhängigkeit: Der kritische Punkt bei der Übergabe
Viele Schreinereien sind über Jahre stark auf den Inhaber ausgerichtet. Er hält die Kundenkontakte, entwirft und plant, kalkuliert die Angebote, steht in der Werkstatt und ist häufig zugleich der einzige Meister.
Genau das ist für einen Verkauf das größte Risiko. Käufer fragen sich:
- Was passiert, wenn der Inhaber nicht mehr verfügbar ist?
- Hängt die Eintragung in die Handwerksrolle allein am Meistertitel des Inhabers?
- Wer hält die Kundenbeziehungen und kalkuliert neue Aufträge?
- Wer übernimmt Entwurf, Arbeitsvorbereitung und die fachliche Verantwortung?
- Gibt es eine zweite Führungsebene?
Je mehr Antworten der Betrieb selbst liefern kann – idealerweise mit einem weiteren Meister im Team –, desto attraktiver wird er für Käufer. Je stärker alles am Inhaber hängt, desto schwieriger und in der Regel günstiger wird der Verkauf.
Wer Schreinereien kauft
Für gut aufgestellte Schreinereien gibt es mehrere Käufertypen:
- Wettbewerber aus der Region, die Kapazität, Fachkräfte oder ein Segment hinzugewinnen wollen
- Mitarbeiter oder Meister aus dem eigenen Betrieb (MBO)
- externe Nachfolger und erfahrene Handwerksmeister (MBI)
- strategische Investoren, etwa aus dem Innenausbau- oder Objektgeschäft
So unterschiedlich diese Käufer sind, sie achten auf dieselben Dinge: planbare Aufträge, ein tragfähiges Team mit Meister, saubere Zahlen und einen Betrieb, der auch ohne den bisherigen Inhaber funktioniert.
Fazit: Ein guter Verkauf wird vorbereitet
Wer seine Schreinerei verkaufen möchte, sollte den Verkauf nicht erst dann vorbereiten, wenn der Ausstieg unmittelbar bevorsteht. Die wichtigsten Werthebel liegen häufig in den Jahren davor. Wie sich dieser Wert Schritt für Schritt über die Zeit aufbauen lässt, zeigt unser
10-Jahres-Fahrplan.
Die Spezialisierung sollte geschärft, der Auftragsbestand stabilisiert, der Maschinenpark in Ordnung gehalten, ein zweiter Meister aufgebaut, die Kalkulation sauber dokumentiert und die Abhängigkeit vom Inhaber Schritt für Schritt reduziert werden.
Denn Käufer zahlen nicht nur für den heutigen Gewinn. Sie zahlen für ein eingespieltes Team, planbare Aufträge, einen guten Namen in der Region und die Wahrscheinlichkeit, dass der Betrieb auch nach der Übergabe weiter funktioniert.
Wenn Sie erste Überlegungen haben, Ihre Schreinerei oder Tischlerei zu verkaufen, unterstützen wir Sie gerne dabei, den aktuellen Unternehmenswert einzuschätzen und frühzeitig die richtigen Werthebel vorzubereiten. Mehr zu unserem Fokus auf
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