Was ist Due Diligence überhaupt?
Due Diligence bedeutet wörtlich „gebührende Sorgfalt". Der potenzielle Käufer prüft alle wesentlichen Aspekte Ihres Unternehmens systematisch durch: Finanzen, Recht, Steuern, Verträge, Personal, IT, Umwelt und mehr. Ziel ist es, Risiken zu identifizieren und den Kaufpreis zu verifizieren.
Die Prüfung kann 4 bis 12 Wochen dauern, je nach Unternehmensgröße und Komplexität. Wie sich diese Phase in den gesamten Zeitplan eines Unternehmensverkaufs einfügt, erfahren Sie in unserem Überblicksartikel. Externe Berater – Wirtschaftsprüfer, Rechtsanwälte, Steuerberater – sind involviert. Hunderte Dokumente werden angefordert, analysiert und hinterfragt.
Warum gute Vorbereitung entscheidend ist
Jede Unklarheit, jede fehlende Unterlage, jedes Problem kostet Sie Geld. Käufer reagieren auf Risiken mit Preisabschlägen oder verschärften Garantien. Im schlimmsten Fall ziehen sie ihr Angebot zurück.
Professionell aufbereitete Unterlagen hingegen signalisieren Seriosität und Vertrauenswürdigkeit. Sie beschleunigen den Prozess und stärken Ihre Verhandlungsposition. Ein Käufer, der keine bösen Überraschungen erlebt, bleibt bei seinem Angebot.
Die wichtigsten Prüfungsbereiche
Financial Due Diligence untersucht Ihre Finanzzahlen. Prüfer analysieren Jahresabschlüsse, BWAs, Liquiditätsplanung und Controlling. Sie schauen, ob die Zahlen plausibel sind, suchen nach versteckten Verbindlichkeiten und prüfen die Nachhaltigkeit der Erträge.
Bereiten Sie sich vor, indem Sie Ihre Finanzbuchhaltung auf Vordermann bringen. Erklären Sie außergewöhnliche Positionen schriftlich. Stellen Sie sicher, dass Ihre Zahlen konsistent und nachvollziehbar sind.
Legal Due Diligence fokussiert auf rechtliche Risiken. Alle wichtigen Verträge werden geprüft: Kundenverträge, Lieferantenverträge, Mietverträge, Arbeitsverträge, Lizenzverträge. Auch Rechtsstreitigkeiten, Patente, Marken und Compliance-Themen werden durchleuchtet.
Schaffen Sie einen Ordner mit allen wesentlichen Verträgen. Identifizieren Sie problematische Klauseln oder auslaufende Verträge proaktiv. Klären Sie offene Rechtsstreitigkeiten möglichst vor der Due Diligence.
Tax Due Diligence prüft steuerliche Risiken. Sind alle Steuererklärungen abgegeben? Gibt es offene Betriebsprüfungen? Bestehen steuerliche Risiken aus der Vergangenheit?
Arbeiten Sie eng mit Ihrem Steuerberater zusammen. Klären Sie offene Punkte mit dem Finanzamt. Dokumentieren Sie steuerliche Sachverhalte sorgfältig.
Commercial Due Diligence bewertet Ihr Geschäftsmodell. Wie attraktiv ist Ihr Markt? Wie nachhaltig ist Ihre Wettbewerbsposition? Wie abhängig sind Sie von Schlüsselkunden oder -lieferanten?
Bereiten Sie eine überzeugende Markt- und Wettbewerbsanalyse vor. Zeigen Sie Wachstumspotenziale auf. Dokumentieren Sie langfristige Kundenbeziehungen.
Der virtuelle Datenraum
Heute läuft Due Diligence meist digital über einen virtuellen Datenraum. Dort laden Sie alle Dokumente strukturiert hoch. Der Käufer und seine Berater erhalten kontrollierten Zugang.
Organisieren Sie den Datenraum logisch: klare Ordnerstruktur, einheitliche Benennung, aktuelle Dokumente. Ein chaotischer Datenraum hinterlässt einen schlechten Eindruck.
Kontrollieren Sie, wer was wann anschaut. Das gibt Ihnen wertvolle Hinweise: Welche Themen interessieren den Käufer besonders? Wo könnten Probleme lauern?
Typische Stolpersteine und wie Sie sie vermeiden
Abhängigkeiten von Einzelpersonen – vor allem von Ihnen als Inhaber – sind ein Warnsignal. Zeigen Sie, dass das Management-Team stark ist und das Geschäft auch ohne Sie läuft.
Fehlende oder lückenhafte Verträge mit wichtigen Kunden sind problematisch. Formalisieren Sie informelle Vereinbarungen wo möglich.
Veraltete oder fehlende Dokumentation zu Produkten, Prozessen oder IT-Systemen erschwert die Prüfung. Investieren Sie Zeit in ordentliche Dokumentation.
Unklare IP-Rechte (geistiges Eigentum) sind ein Dealbreaker. Stellen Sie sicher, dass Ihr Unternehmen alle notwendigen Rechte besitzt und diese auch nachweisen kann.
Proaktiv statt reaktiv
Der beste Ansatz: Führen Sie eine Vendor Due Diligence durch, bevor der Käufer kommt. Sie prüfen Ihr eigenes Unternehmen mit externen Experten, identifizieren Probleme und beheben sie oder bereiten überzeugende Erklärungen vor.
Das kostet zwar Geld, zahlt sich aber aus: Sie gehen mit Selbstvertrauen in die Käuferprüfung, sparen Zeit, vermeiden unangenehme Überraschungen und stärken Ihre Verhandlungsposition.
Während der Due Diligence
Reagieren Sie schnell auf Anfragen. Jeder Tag Verzögerung kostet Vertrauen. Benennen Sie einen Verantwortlichen, der den Prozess koordiniert und Ansprechpartner für den Käufer ist.
Seien Sie transparent. Versuchen Sie nicht, Probleme zu verstecken – sie kommen sowieso ans Licht. Besser: Problem offen ansprechen und Lösungen aufzeigen.
Bleiben Sie im Austausch mit Ihrem Berater. Er kann einschätzen, ob Anfragen normal oder überzogen sind und hilft Ihnen, angemessen zu reagieren.
Nach der Due Diligence
Die Erkenntnisse fließen in die finalen Verhandlungen ein. Eventuell werden Kaufpreis, Garantien oder andere Konditionen angepasst. Mit guter Vorbereitung sind diese Anpassungen minimal.
Eine saubere Due Diligence ebnet den Weg zu einem erfolgreichen Abschluss. Sie schafft Vertrauen – die Basis jeder guten Geschäftsbeziehung.




